Trommeln wie Herzklopfen - Becken wie Blitze

-asp- Lüdinghausen. Mitreißend, besinnlich, märchenhaft, ergreifend mit Querbeet präsentierten die Brass Band und der Spielmannszug anlässlich ihres 40-jährigen und 55-jährigen Bestehens ein überraschend vielseitiges Potpourri. Sowohl Marschmusik als auch Rock, Pop und Klassik vereinten die zum Teil noch jungen Musiker zu einem gelungenen Jubiläumskonzert. Damit bewiesen sie einmal mehr, dass Spielmannszüge nicht nur schützenfesttauglich sind, sondern auch große Virtuositäten souverän und treffend zu Gehör bringen können. Christoph Davids entpuppte sich als humorvoller und spontaner Begleiter durch das Programm.
Unter dem Dirigat von Sonja Niehues vollbrachte der Spielmannszug wahre Wunder. Schon das erste Stück The Thunderer von dem amerikanischen Marschmusiker John Philip Sousa war akzentreich die Trommeln wie Herzklopfen und die Becken wie Blitze. Aber auch an neue Stilrichtungen wagten sich die Spielleute heran. Die Karawane von Georg ter Voert ließ den Besucher in den Orient eintauchen und vor dem geistigen Auge eine prächtige, vorbeiziehende Reisegesellschaft aus dem Morgenland erscheinen. Ebenso greifbar war in weiteren Musikstücken das Feuer Spaniens (Castillos en Espana von Frans Veerbeck), der rauhe Charme Russlands (in Ralph Siegels Moskau), karibischer Flair der tatsächlich Gänsehaut verursachte (Adiemus von Karl Jenkins), die Zartheit Chinas (China March, Robert Allmend) sowie ein bisschen Irland von Ronan Hardigans The Lord of the Dance. So erlebte der Zuhörer in der Aula der Realschule neben der musikalischen Eindringlichkeit auch eine Reise um die Welt. Inbegriffen war ein kleiner Abstecher in die Fantasie der Augsburger Puppenkiste: Das Lummerlandlied erinnerte an die Abenteuer von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer. Neu war, dass neben den herkömmlichen, eigentümlichen Flöten auch Piccoloflöten zum Einsatz kamen, die den Klang abrundeten und einen weichen Hintergrund schufen. Die Auszubildenden des Spielmannszuges präsentierten zusammen mit den alten Hasen ...ist es wirklich schon so spät?. Ohne zwei Zugaben wie beispielsweise The final Count-down" kam die Truppe nicht von der Bühne.
Die Brass Band unter der Leitung von Christoph Niehoff überzeugte durch Professionalität und Besinnlichkeit, die den Fortschritt der Blasmusikanten widerspiegelte. Auch die Musiker dieser Formation boten anfangs einen Marsch von John Philip Sousa. Aber dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist und die Dominanz von Blasinstrumenten in Zartheit verwandelt werden kann, stellten sie in zahlreichen Stücken unter Beweis. What a feeling und Lemmon Tree, erhielten von ihnen eine völlig neue Interpretation. Es war den Zuhörern unmöglich, nicht im Takt der Musik mitzuwippen. Kein Halten auf den Plätzen gab es beim Dauerbrenner Y.M.C.A. die Aula tanzte. Ins Träumen geriet man hingegen bei Kanon von Johann Pachelbell. Die Schönheit der Filmmusik Walt Disneys gab es in ganzer Breite: Arielle, Die Schöne und das Biest, Aladin und König der Löwen nahmen Gestalt an. Abbas Mamma Mia und I will follow him, bekannt aus Sister Act, gab es als Zugabe obendrauf.
Die Brass Band hat Größe erreicht. Nicht nur in der Menge, sondern vielmehr in der Leistung, fasste Christoph Davids zusammen. Durch viele Akzente bemerkte man die hervorragende Vorbereitung auf den Abend beider Züge. Ein melodischer Abend, dessen Klänge man sicherlich noch lange im Ohr behalten wird.

Montag, 20. November 2006 | Quelle: Westfälische Nachrichten (Lüdinghausen)

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